Kräuter-Inhaltsstoffe:

Die Kenntnis der Inhaltsstoffe und Zubereitungsformen von Heilpflanzen ist Voraussetzung für die beabsichtigte Heilwirkung. Über die Inhaltsstoffe weiss man heute sehr viel, aber nicht alles. Die meisten sind chemisch aufgeklärt, von anderen kennt man nur ihre biologischen Wirkungen. Sie lassen sich in Gruppen zusammenfassen, während sie in der Natur auch innerhalb einer Gruppe sehr unterschiedlich, gewissermassen »persönlich« ausgebildet sind. An Gruppen unterscheidet man:

Glykoside Gerbstoffe Bitterstoffe
Polysaccharide Ätherische Öle Alkaloide
Purine Anorganische Substanzen Hormone und hormonartige Stoffe
Vitamine

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Glykoside:

Es handelt sich um einen Sammelbegriff von ätherartigen Verbindungen aus einem Zuckeranteil mit einem Nichtzuckeranteil, beide müssen eine alkoholische oder phenolische OH-Gruppe haben. Nur den Verbindungen von Zucker (Glykose) kommt der Name Glykoside zu. Im Pflanzenreich ist diese Verbindungsgruppe sehr umfangreich. Allein ca. 175 Herzglykoside sind bisher erforscht (Orzechowski). Man kann einige markante Untergruppen unterscheiden, so die

Saponinglykoside Phenolglykoside Anthraglykoside
Farbstoffglykoside Senfölglykoside Blausäureglykoside

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Saponinglykoside:

Sie bilden beim Schütteln in wässerigen Lösungen einen seifenartigen Schaum (Sapo = Seife), daher werden sie auch kurz Saponine genannt. Sie haben eine blutlösende (hämolytische) Wirkung. Wenn sie mit dem Munde aufgenommen werden, verteilen sie sich leicht über die Schleimhäute des Magens und des Darmes, wo sie die Durchlässigkeit der Schleimhaut verbessern und anderen Stoffen eine raschere Aufsaugung ermöglichen. Sie sind gewissermassen Schrittmacher für andere Wirkstoffe. Reflektorisch regen sie auch die Tätigkeit der Magen- und Darmdrüsen sowie die der Atmungswege, auch der Milchdrüsen an. Diese gehören ja entwicklungsgeschichtlich zum Magen-Darmsystem. Ob die Saponine selbst resorbiert werden, ist nicht ganz sicher. Die beobachteten Wirkungen können durch andere Wirkstoffe erzielt worden sein. 

Ausgesprochene Saponindrogen sind:

Schlüsselblumenwurzeln (Radix primulae)
Veilchenwurzeln (Rad. Violae odoratae)
Königskerzenblüten (Flores Verbasci)
Kraut des Lungenkrautes (Herb. Pulmonariae)
Süssholzwurzel (Rad. Liquiritiae)

Diese Drogen werden als Hustenmittel verwendet.

 

Zum Wassertreiben werden verwendet:

Javatee (Folia Orthosiphon.)
Goldrutenkraut (Herb. Virgaureae, von Solidago virgaurea)
Kraut vom Bruchkraut (Herb. Herniariae, von
Herniaria hirsuta).

Milchtreibend wirkt die ganze Bittere Kreuzblume (Herb. Polygalae, von Polygala amara).

 

Allgemein stärkend wirken:

Kraut des Stiefmütterchens (Herb. Violae tricolor)
Sprossen vom Bittersüss (Stipit. Dulcamarae,
von Solanum dulcamara)
Schachtelhalmkraut (Herb. Equiseti, von Equisetum arvense).

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Pheneoglykoside:

Dazu gehört das Arbutin. Es desinfiziert den Harn, wenn er alkalisch ist, weil sich hierbei in den Harnwegen das Hydrochinon abspaltet. Werden jedoch säurebildende Stoffe gleichzeitig gegeben, so unterbleibt diese Reaktion. Deshalb darf zum Bärentraubenblättertee kein Säuremittel (etwa Hexamethylentetramin) gegeben werden. Das Arbutin ist nur schwer aus der Droge zu lösen, es muss gekocht werden, wobei die Gerbstoffe mit in die Lösung gehen. Da Arbutin auch ein Blutgift ist, sollte dieser Tee nicht länger als 4 Wochen gegeben werden. Bärentraubenblätter (Fol. Uvae Ursi, von Arctostaphylos uva-ursi), auch Heidelbeerblätter (Fol. Myrtilli, von Vaccinium myrtillus) enthalten Arbutin. Weitere Phenolglykoside sind das Salicin und Gaultherin. Sie enthalten Salicylverbindungen und werden als Mittel gegen Rheumatismus gebraucht.

Bekannte Drogen sind:

Weidenrinde ( Cortex Salicis, von Salix alba, Salix fragilis u. a.)
Stiefmütterchenkraut (Herb. Violae tric.)
Spierstaudenkraut, Mädesüss (Herb. Spiraeae,
von Filipendula ulmaria, Spiraea ulmaria).

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Anthraglykoside:

Dazu gehören die Anthrachinon- oder Emodindrogen. Sie werden als Abführmittel gebraucht und werden auch lange vertragen. Der Weg der aufgenommenen Emodine verläuft teils über die Blutbahn nach Aufnahme durch die Dünndarmwand und teils direkt in den Dickdarm, wo die normalen Darmbakterien den Stoff zu Anthranol umwandeln, dem die eigentliche abführende Wirkung zukommt. Dieser Weg ist weit und braucht 6-8 Stunden, bis es zum Stuhlgang kommt. Die im Blut gelösten Emodine machen bei der sauren Harnausscheidung eine leicht gelbbraune Färbung und im alkalischen Harn eine Rotfärbung.

Die gebräuchlichsten Emodindrogen sind:

Faulbaumrinde (Cort. Frangulae, von Rhamnus frangula)
Sennesblätter (Fol. Sennae von Cassia angustifolia, C. acutifolia)
Der Wurzelstock des Medizinal-Rhabarbers
(Rhizoma Rhei, von Rheum palmatum var. tanguticum ).

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Farbstoffglykoside:

Flavone ist die zusammenfassende Bezeichnung von Farbstoffen in glykosidischer Bindung. Sie finden sich gern im Zellsaft. Diese Stoffe werden heute mit den Xanthonen und Anthozyanen zur Gruppe der Flavonoide zusammengefasst und stehen damit den Carotinoiden, Xanthophyllen und Chlorophyllen gegenüber. Letztere sind an bestimmte Zellanteile, die Chromatophoren, gebunden. Die Flavonoide gehören zu wichtigen Regulierungssystemen in der Pflanze, welche photochemische Schutzfunktionen sowie die Wasserstoffübertragung zu regulieren haben. Man hat die Flavone als ein Vitamin (P) aufgefasst, was sich aber heute nicht mehr halten lässt. Das Rutin gehört dazu mit seiner mild blutdrucksenkenden Wirkung. Manche Flavone haben eine Herzwirkung bei höherer Dosierung. Auffällig ist auch eine Wirkung auf die Harnausscheidung im Sinne der Diuresesteigerung durch Erweiterung der Nierengefässe. Flavone können vom Darm aus resorbiert werden.

Zu den Flavondrogen gehören:

Weissdornblätter und Früchte (Flor. u. Fruct. Crataegi, von Crataegus oxyacanthus)
Ginsterkraut (Herb. Sarothamni, von Sarothamnus scoparius, Besenginster)
Rautenkraut (Herb. Rutae, von Ruta graveolens)
Birkenblätter (Fol. Betulae, von Betula pendula,
B. pubescens)
Johanniskraut (Herb. Hyperici, von Hypericum
perforatum)
Petersilienkörner (Fruct. Petroselini, von Petroselinum crispum, P. sativum, P. hortense)
Holunderblüten (Flor. Sambuci, von Sambucus
nigra)
Lindenblüten (Flor. Tiliae, von Tilia cordata, T.
platyphyllos)
Kamillenblüten (Flor. Chamomillae, von Matricaria chamomilla)
Wacholderbeeren (Fruct. Juniperi, von Juniperus communis)
Hauhechelwurzel (Rad. Ononidis, von Ononis
spinosa)
Brombeerblätter (Fol. Fructicosi, von Rubus
fructicosus)
Gänsefingerkraut (Herb. Anserinae, von Potentilla anserina).

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Senfölglykoside:

Sie enthalten neben Stickstoff auch Schwefel. Ärztlich interessiert nur der Schwarze Senf mit seinen Körnern (Semen Sinapis nigri, von Sinapis niger). Das Senfmehl wird bei 37-40 Grad Celsius im Wasser verrührt. Dabei wird das Allylsenföl frei, dessen scharfer Geruch sofort in die Nase steigt. Dieser warme Senfmehlbrei wird auf die Haut gebracht, darf aber nur etwa 5 Minuten liegen bleiben, weil er sonst Blasen zieht. Die Senfwickelbehandlung spielt in der Naturheilkunde auch heute noch eine grosse Rolle.

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Blausäureglykoside:

Sie sind praktisch nur bei der Verwendung des Leinsamens im Gebrauch. Besonders im keimenden Samen findet sich das Linamarin, es soll bei äusserer Anwendung, z.B. als Kataplasma (Breiumschlag), wirksam werden.

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Gerbstoffe:

Wie der Name schon andeutet, können diese Stoffe gerben, wobei das Eiweiss der Haut in unlösliche Verbindungen gebracht wird. Dieses Eiweisskoagulat bildet eine Schutzschicht für darunterliegende Gewebe. Der Quellzustand von Haut und Schleimhaut wird durch die Gerbstoffe herabgesetzt und die Durchblutung aufgehoben. Kleinere Blutungen können so gestillt werden, und die Wundabsonderung sowie die Tätigkeit der kleinen Drüsen wird herabgesetzt. Ärztlich werden sie viel zu wenig verwendet. Gerade im Magen-Darmbereich können manche Entzündungen günstig beeinflusst werden. Im Gefolge der Gerbwirkung kommt es zu einer Hemmung des Bakterienwachstums, wobei Farbstoffe (z.B. Heidelbeere) unterstützend wirken können.

Zu den Gerbstoffdrogen gehören:

Der Wurzelstock vom Tormentill, der Ruhrwurz (Rhizoma Tormentillae, von Potentilla erecta, P. tormentilla, P. sylvestris)
Heidelbeeren (Fruct. Myrtilli, von Vaccinium
myrtillus)
Salbeiblätter (Fol. Salviae, von Salvia officinalis)
Schwarzer Tee (Fol. Theae nigr., von Camellia
sinensis )

Nur zum äusserlichen Gebrauch dienen:

Eichenrinde (Cort. Quercus, von Quercus ruber, Qu. petraea )
Walnussblätter (Fol. Juglandis, von Juglans
regia).

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Bitterstoffe:

Diese bitteren Drogen heissen auch Amara (lat. bitter). Amara aromatica sind Bitterstoffe, die in Verbindung mit ätherischen Ölen auftreten. Sie umfassen wieder eine grosse Gruppe. Der Wirkungsort von Bitterstoffen ist bevorzugt der Magen, wo die Schleimhaut leicht zur Anschwellung kommt und eine Steigerung der Sekretion erfährt. Sie heben den Appetit und reizen auch den Gallenfluss. Man sagt ihnen nach, dass sie andere Stoffe zu einer besseren Resorption bringen können. Die Hopfenbitterstoffe beruhigen leicht. Enzianwurzeln schmecken noch in einer Verdünnung von 1:1800 bitter.

Eigentliche Amara sind:

Enzianwurzeln (Rad. Gentianae, von mehreren Enzianarten)
Tausendgüldenkraut (Herb. Centaurü, von Centaurium umbellatum)
Bitterkleeblätter (Fol. Trifolii fibrini, von Menyanthes trifoliata)
Cardobenediktenkraut (Herba cardui benedicti,
von Cnicus benedictus)

Amara aromatica sind:

Wermutblätter (Herb. Absinthii, von Artemisia absinthium)
Kalmuswurzel (Rhizoma Calami, von Acorus
calamus)
Schafgarbenkraut (Herb. Millefolii, von Achillea
millefolium)
Löwenzahnkraut mit Wurzel (Rad. Taraxacicum Herba, von Taraxacum officinale)
Engelwurzwurzeln (Rad. Angelicae, von Archangelica officinalis)
Wegwartewurzeln (Rad. Cichorii, von Cichorium intybus)
Hopfen (Strobuli Lupuli, von Humulus lupulus).

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Polysaccharide:

Dies sind Stärkearten, Pektine und Schleimstoffe. Sie sind weit verbreitet. Steht die Schleimwirkung der Pflanzen im Vordergrund, nennt man sie Mucilaginosa. Sie überziehen mit ihrem Schleim die Schleimhäute oder Wunden und mildern die Absonderung oder halten saure Schädlichkeiten ab. Die Bitterstoffe wirken ähnlich, jedoch unter Bildung von Eiweissgerinnseln auf den Oberflächen der Gewebe. So können die Schleimstoffe auch Geschmackswirkungen mildern. Himbeeren haben einen milderen Geschmack als die Johannisbeeren, obwohl sie wesentlich mehr Säure enthalten. Der reichere Gehalt an Schleimstoffen besorgt die geschmackliche Korrektur. Schleimstoffe sind deshalb Corrigentien (Ausgleichsstoffe).

Bekannte Mucilaginosa sind:

Leinsamen (Semen Lini, von Linum usitatissimum )
Eibischwurzeln (Rad. Althaeae, von Althaea officinalis)
Huflattichblätter (Fol. Farfarae, von Tussilago
farfara)
Malvenblüten und -blätter (Fol. et Flor. Malvae,
von Malva sylvestris, M. neglecta)
Veilchen (Rad. violae von Viola odorata)
Schwertlilienwurzeln (Rhiz. Iridis, von Iris germanica, I. florentina, I. pallida)
Königskerzenblüten (Flor. Verbasci, von herbascum phlomoides, V thapsiforme)
Spitzwegerichkraut (Herb. Plantagin. lanc., von
Plantago lanceolatus).

Die Abkürzungen geben die übliche Schreibweise auf dem Rezept wieder.

Pektine finden sich gern in Früchten und ermöglichen es (aus der Küche bekannt), dass die Fruchtsäfte gelieren. Vom Apfelpektin ist bekannt, dass es bei Durchfallkrankheiten günstig die Darmwände beeinflusst. Die Stärke hat kaum arzneiliche Wirkung, sie spielt aber in der Ernährung bei den Getreidearten und bei den Kartoffeln eine überragende Rolle.

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Ätherische Öle:

Es sind stark riechende, flüchtige Kohlenwasserstoffverbindungen aus der aliphatischen, aromatischen oder azyklischen Reihe. Oft sind es Gemische. Mit Wasserdampf lassen sie sich abtreiben. Das Wesen der ätherischen Öle ist ganz anders als das der fetten Öle, welche Glycerinester der Fettsäuren darstellen. Die ätherischen Öle sind: Alkohole, Äther, Aldehyde, Ketone, Säuren u. a. Als Zellreizmittel können sie in stärkerer Konzentration als Zellgifte wirken und sind zum Teil antibakteriell. Ein Teil von ihnen löst sich in Fetten und wirkt auf das Nervensystem, ein anderer wird von der Haut und von Schleimhäuten aufgenommen, wobei die entzündeten Gewebe noch aufnahmefähiger sind als die intakten.

Manche regen die Tätigkeit der kleinen Drüsen an, andere wieder sind krampflösend. Sie können durch die Lungen ausgeatmet, durch Galle und Darm ausgeschieden werden. Zu verwenden sind sie als Hautreizmittel bei Einreibungen, zum Desinfizieren, zur Krampflösung, als Schleimlöser, Gallenförderer, Schwitzmittel, Appetitanreger, Milchförderer und zum Harntreiben. In Kräuterbädern fördern sie den Kreislauf. In den Heublumen finden sich vorzugsweise im Ruchgras (Anthoxanthum odoratum) durchblutungsfördernde Stoffe. Das Cumarin ist im blühenden Gras gebunden und wird erst beim Welken frei. Im Waldmeister (Galium odoratum) und im Honigklee (Melilotus officinalis) findet es sich auch. Wenn zuviel eingeatmet wird, kann es Kopfschmerzen machen. Deshalb Vorsicht beim Schlafen im Heu!

Ätherische Öle enthalten:

Zur Durchblutung:

Grassamen (s. o.)
Rosmarinblätter (Fol. Rosmarini, von Rosmarinus officinalis, gut für Bäder)
Lavendelblüten (Flor. Lavandulae, von Lavandula officinalis, ebenfalls für Bäder)
Quendelkraut (Herb. Serpylli, von Thymus serpyllum, für Bäder)
Thymiankraut (Herb. Thymi, von Thymus vulgaris, dem Thymian)
Honigkleekraut (Herb. Meliloti, von Melilotus
offic., M. altissimus, Steinklee, Honigklee)

Krampflösend:

Kamillenblüten (Flor. Chamomillae, von Matricaria chamomilla)
Melissenblätter (Fol. Melissae, von Melissa offic., Zitronenkraut)
Schafgarbenkraut (Herb. Millefolii, von Achillea
millefolium)
Pfefferminzblätter (Fol. Menthae piperitae).

Hustenlösend:

Aniskörner (Fructus Anisi, von Pimpinella anisum)
Wacholderbeeren (Fructus Juniperi, von Juniperus communis)
Thymiankraut
Pfefferminzblätter
Honigkleekraut
Wurzelstock der Schwertlilie (Rhiz. Iridis, von
Iris germanica, I. florentina, I. pallida).

Schweisstreibend:

Die Blüten vom Schwarzen Holunder, der Linde und der Kamille.

Als Nervenmittel:

Baldrianwurzeln (Rad. Valerianae, von Valeriana offic. )
Lavendelblüten (Flor. Lavandulae)
Melissenblätter
Rosmarinblätter
Pomeranzenschalen (Pericarpi Aurantii, von Citrus aurantium)

Galletreibend:

Lavendelblüten
Wermutkraut (Herb. Absinthii)
Pfefferminzblätter
Schafgarbenkraut
Boldostrauch-Blätter (Fol. Bolda, von Peumus
boldus).

Wassertreibend:

Birkenblätter
Wacholderbeeren
Petersilienkörner (Fruct. Petroselini)
Goldrutenkraut (Herb. Virgaureae)
Rautenkraut (Herb. Rutae, von Ruta graveolens)

Gegen Blähungen (carminativ):

Kümmelkörner
Fenchel- und Aniskörner
Pfefferminz- und Melissenblätter
Kamillenblüten
Engelwurz-Wurzeln (Rad. Angelicae, von Archangelica officinalis)
Appetitanregend
Pfefferminzblätter
Wacholderbeeren
Pomeranzenschalen
Kalmuswurzeln
Engelwurzwurzeln

Das sind nur die gebräuchlichsten Pflanzen, es gibt darüber hinaus noch viel mehr mit ätherischen Ölen als Inhaltsstoffen.

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Alkaloide:

Es sind stickstoffhaltige, organische Verbindungen mit den Ringsystemen des Pyrrols, des Piperidins und des Chinolins bzw. Isochinolins. Als basische Substanzen bilden sie mit Säuren Salze und werden so wasserlöslich. Die Medizin verwendet sie meist rein. Da sie zum Teil stark giftig sind, erfordern sie eine genaue Dosierung und die ist in der Heilpflanzentherapie doch nicht gegeben. So werden nur ganz wenige als Tee verordnet. Vom Besenginster (Sarothamnus scoparius) wirkt das Alkaloid Spartein auf den Herzrhythmus regelnd ein. Das zweiblättrige Herzgespann (Leonuris cardiaca) enthält das Stachydrin. Wie der Name der Pflanze schon sagt, wirkt sie beruhigend auf das Herz. Beim Schöllkraut ist das Hauptalkaloid das Chelidonin (Chelidonium majus), es wirkt krampflösend.

In den Heidelbeerblättern, in der Geissraute (Galega officinalis) und in den Bohnenschalen (Fruct. Phaseoli sine semine, von Phaseolus vulgaris) sind Alkaloide, welche den Blutzucker senken können. Ihre Wirkung ist aber nicht so, dass sie eine ausschliessliche Behandlung damit rechtfertigen würden.

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Purine:

Sie kommen in unseren einheimischen Pflanzen kaum vor, dafür aber im Schwarzen Tee (Camellia sinensis) oder im Mate aus Ilex paraguayensis .

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Anorganische Substanzen:

Hier spielt die Kieselsäure eine grosse Rolle. Sie ist in allen tierischen und menschlichen Bindegeweben, wie Sehnen, Gelenkkapseln, Blutgefässen und deren Festhaltungen enthalten. Von ihr hängt die Straffheit und Widerstandsfähigkeit der Gewebe ab. Mangel erzeugt Bindegewebsschwäche. Bei den Pflanzen dient sie zur Festigung von Stengeln (Schachtelhalm, Quekkenwurzel usw.). Der Schachtelhalm (Equisetum arvense) ist sehr reich daran. In seiner Asche finden sich 20,5 % der ursprünglichen Substanz. 1/3 davon ist reines SiO2 (Siliciumdioxyd).

Leider ist nur ein Teil davon wasserlöslich und damit aufnahmefähig für den menschlichen Organismus. Da ein grosser Teil der menschlichen Alterungsvorgänge Entquellungen sind, gilt die Kieselsäure als hilfreiches Mittel, um die Zellkolloide wieder bindungsfähig für Wasser zu machen. Sie kann gerade bei älteren Leuten über lange Zeit genommen werden, ohne dass schädliche Erscheinungen beobachtet werden.

Freilich genügt die Kieselsäure allein nicht, um den Stoffwechsel der Alten funktionstüchtig zu halten. Die ganze Lebens- und Ernährungsweise muss da mithelfen. Von den anderen mineralischen Stoffen, wie Kalk, Natrium, Kalium usw. wird über die Heilpflanzen wenig erreicht. Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Tomaten, Aprikosen u.a. haben da eine bessere Bilanz. Bei Kaliummangel sind besonders hilfreich Bananen und Zwetschgen.

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Hormone und hormonartige Stoffe:

Hormone erwartet man eigentlich im tierischen Organismus, und doch finden sie sich bei der grossen Neigung zur Synthese auch bei den Pflanzen. Die fermentativen Leistungen laufen in Pflanze und Tier ähnlich, wenn auch in umgekehrter Richtung: Die Pflanze baut auf, das Tier baut ab, um es vereinfacht auszudrücken. Das menschliche Follikelhormon (Eierstockshormon) ist chemisch ein Steroid, und solche Steroide finden sich z.B. in Palmenkernen (Östron) oder im Öl der Weidenkätzchen (Östriol). Das Follikelhormon konnte auch in den Stengeln des Kleinen Springkrautes (Impatiens parviflora), im Kraut der Stockrose (Althaea rosea) nachgewiesen werden. So kommen nach Orzechowski vor allem in weiblichen Blüten echte Eierstockshormone vor, etwa bei der gelben Teichrose (Nuphar luteum) und bei der Salweide (Salix caprea), aber auch in den Blüten von Sonnenblume, Holunder und Nesseln. Ein anderer Hormonkörper kommt im Keuschlamm, dem Mönchspfeffer, vor ( Vitex agnuscastus). Die Volksmedizin verwendete diese Pflanze zur Behandlung von Frauenkrankheiten. Es konnte nachgewiesen werden, dass Stoffe dieser Pflanze auf das Hormonsystem des Hypophysenvorderlappens (Hirnanhangdrüse) stark einwirken.

Im Steinsamen (Lithospermum ruderale) finden sich Stoffe, die von Indianern aus Nevada zur Empfängnisverhütung benutzt wurden. Schon von Mattioli wird berichtet, dass dieses Kraut den »Weibern wohl bekomme, so in Kindsnöten liegen«. Diese Hormone aus Lithospermum officinale wirken sowohl auf den Gelbkörper des Eierstocks wie auch auf die Schilddrüse. Noch stärker auf die Schilddrüse wirkt der Wolfsfuss (Lycopus virginicusund L. europaeus ). Doch alle Inhaltsstoffe wirken besonders günstig im Verbund der gesamten Pflanze, d.h. in der Ganzheit.

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Vitamine:

Vitamine sind ebenfalls lebensnotwendige Stoffe, die im Unterschied zu den Hormonen nicht vom menschlichen oder tierischen Organismus gebildet werden können. Sie wirken zwar auch in feinsten Verdünnungen (Katalysatoren), bestimmen aber mehr die körperlichen Funktionen, während die Hormone weitgehend auch die Seele beeinflussen. Vitamine müssen von aussen zugeführt werden. Sie kommen zumeist aus dem Pflanzenreich, wobei die Bakterienwelt mit hinzugerechnet wird. Manche stammen auch aus , dem Tierreich (Lebertran). Ihre Kenntnis entstammt vielfach den Beobachtungen aus Mangelerkrankungen (Skorbut, Beri-Beri usw.). Diesen Mangelstoff, der auch aus einer Stoffgruppe bestehen kann, bezeichnete der polnische Biochemiker Casimir Funk im Jahre 1911 als Vitamin . Die natürlichen oder auch künstlich entstandenen Mangelerkrankungen nannte man Avitaminosen.

Vitamine und Hormone sind chemisch sehr verschieden. Sie sind aber wohl die ältesten Reizstoffe des Stoffwechsels sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren. Dass Vitamine nicht vom Menschen selbst aufgebaut werden können, wird damit erklärt, dass durch die zunehmende Erleichterung in Nahrungssuche und -aufnahme der Körper die Eigenproduktion »verlernte«. Die Entwicklungsgeschichte stützt diese Behauptung. Die Rolle der Hormone im tierischen Organismus entspricht etwa der der Vitamine bei den Pflanzen. 

Auch Pflanzen, und da besonders die Spaltpilze, können Vitaminmangelerkrankungen haben. Und die ärztliche Behandlung von Infektionen aus lebenden Krankheitserregern beruht darauf, dass man diese Erreger durch geeignete Sulfonamide in einen Vitaminmangelzustand bringt, in welchem der Körper mit ihnen fertig wird. Das Vitaminbedürfnis der Pflanze kommt auch in manchen Symbiosen (Zusammenleben) von Pflanzen und Kleinpilzen zum Ausdruck.

Die Vitamine werden nach Buchstaben benannt. Sie reichen bereits von A-Y, die Forschung geht noch weiter. Manche, wie das Vitamin B oder D, haben sich als Gruppen erwiesen, deren einzelne Glieder unterschiedliche Wirkungen entfalten. 

Vitamin C:

Für die Heilpflanzenkunde ist wohl am auffälligsten das Vitamin C. Es kommt in den Citrusfrüchten vor. In unseren käuflichen Zitronensäften ist es meist nur noch gering enthalten. Der frische Zitronensaft enthält neben Vitamin C noch Zitrin und Hesperidin ( Vitamin P) und ist deshalb dem reinen Vitamin C überlegen. Im Paprika, in der Hundsrose (Rosa canina) mit ihren roten Hagebutten (Fruct. Cynosbati), im Sanddorn (Hippophaë rhamnoides), in den Schwarzen Johannisbeeren (Ribes nigrum) und in vielen anderen - auch in den Kartoffeln - findet sich dieses Vitamin. Chemisch heisst es Ascorbinsäure, Summenformel C6H8O6.

Vitamin B:

Einige Vitamine des B-Komplexes, wie das Nicotinsäureamid und die Pantothensäure, finden sich in gewissen Hefen, in der Weizenkleie, Maiskleie oder im Kohl. Ein anderer Anämiefaktor, das Vitamin B12, kommt in der Gerste, in Malzextrakt, Weizen und Reiskleie sowie in Hefe und tierischem Eiweiss (Leber, Niere, Gehirn) vor.

Vitamin A:

Das Vitamin A, das Hautschutzvitamin, kann der Organismus auch nicht selbst bilden. Er bezieht die notwendige Vorstufe als Provitamin A von den Pflanzen. Hier liegt es in den Blättern als rotgelber Farbstoff, der im Sommer vom Blattgrün (Chlorophyll) überdeckt ist. Im Herbst erscheint er dann als Herbstlaubfarbe. In den grünen Pflanzen Spinat, Salat, Grünkohl und Brunnenkresse kommt er reichlich vor. Doch auch in Blüten und leuchtenden Früchten, ja sogar in manchen Wurzeln findet er sich. Nach der Möhre (Daucus carota) hat dieses Provitamin A seinen Namen Carotin. Carotin wird in der Leber mit Hilfe eines Fermentes und des Schilddrüsenhormons Thyroxin zu dem Fertigvitamin A umgewandelt.

Vitamin E:

Das Fruchtbarkeitsvitamin E kommt ebenfalls aus dem Pflanzenreich. In grünen Gemüsen, Grünkohl, grünem Salat, Lattich, Brunnenkresse, Erdnüssen und Olivenöl findet es sich. Das Hauptvorkommen liegt jedoch in den Weizenkeimen. Weisses Auszugsmehl ist fast völlig E-frei. Das Vollkornbrot ist daher eine zuverlässige Bedarfsquelle. Vitamin E heisst chemisch Tokopherol und hat die Summenformel C30H50O2.

Vitamin K:

Als letztes soll das Vitamin K genannt werden, welches eine grosse Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Früher starben viele Neugeborene an inneren und Nabelblutungen, die Frühgeburten waren besonders gefährdet. Der Züricher Chemiker Karrer konnte 1939 dieses Antihämorrhagische Vitamin aus Luzerne darstellen. Es ist ein Methylnaphthohydrochinon von der Summenformel C19H24O4. In der Natur ist es weit verbreitet. In der Luzerne (Alfalfagras), Weisskohl, Spinat, Blumenkohl-, Brennessel- und Kastanien- sowie weiteren grünen Blättern, auch in Tomaten und Schweineleber kommt es vor, so dass kaum eine K-Avitaminose entsteht. Im Darm wird es von den Colibakterien gebildet. Jedoch kann eine solche Avitaminose auftreten, wenn die Coliflora im Darm entartet ist. Bei Neugeborenen ist der Darm noch bakterienfrei und Vitamin K wird kaum aus der Nahrung zugeführt. Mit dem Vitamin K kann der erkrankte Säugling gerettet werden. So kann die Kenntnis der Inhaltsstoffe der Nahrung, wie auch unsere Heilpflanzen, ein wirkungsvoller Weg für eine naturgerechte Heilung von Krankheitszuständen sein.

Wenn auf die chemischen Beziehungen innerhalb der Pflanzen und ihres Inhalts etwas näher eingegangen worden ist, so sollte doch verständlich gemacht werden, dass mit der Magie allein keine sicheren Wirkungen zu erzielen sind. Die Kenntnis der Wirkstoffe bietet trotz ihrer noch bestehenden Lücken einen tiefen Einblick in die wundervollen Synthesen und Umwandlungen, die durch die Pflanzen geschaffen werden. Hier bekommt man den wirklichen Eindruck, dass Leben Leistung bedeutet und zugleich Verbundenheit mit der Existenz aller Naturbereiche.

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