Mittlerweile beschäftigt sich auch die sogenannte Phytopharmakologie - die Wissenschaft, die sich mit der therapeutischen
Wirkung von Pflanzen befasst - intensiv mit der gesundheitlichen Bedeutung von Gewürzen. Sie untersucht mit modernen Methoden, wie es zu den seit langem bekannten Wirkungen auf den Organismus kommen kann und bestätigt viele Erkenntnisse der traditionellen Volksmedizin. So ging man etwa im Mittelalter davon aus, dass Knoblauch vor der Pest schützen kann. Heute weiss man aus Versuchen, dass die scharfe Knolle mild bakterienhemmend wirkt. Inzwischen wurde auch geklärt, warum einige Indianerkulturen Lateinamerikas Umschläge mit zerquetschten Paprikaschoten auf schmerzende Knochen- und Muskelregionen auftrugen: Deren scharfer Wirkstoff Capsaicin hat eine schmerzstillende Wirkung.Begriffe wie »präventives Essen« - »Nutriceuticals« - oder »bioaktive Substanzen« werden heute auch von streng naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaftlern verwendet, wenn es um die gesundheitsfördernde Wirkung von pflanzlichen Inhaltsstoffen geht.
Schließlich ist der Schritt vom Gewürz zur pflanzlichen Arznei oft nicht gross und nur eine Frage der Dosierung und Verarbeitung.![]() |
| Mit Gewürzen gesund kochen. |
Welche Stoffe man fand
Dass pflanzliche Nahrungsmittel gesund sind, weil sie viele
Vitamine enthalten, weiss heute jedes Kind. Weniger bekannt ist, dass sich in Pflanzen neben Vitaminen und Mineralien eine Reihe weiterer gesundheitsfördernder Substanzen finden lassen. Es gibt 5'000 bis 10'000 davon, sie tragen Namen wie Flavonoide, Saponine, Polyphenole, Phyto-Östrogene, Terpene, Tannine oder Tocotrienole, und sie dienen den Pflanzen unter anderem als Farb-, Duft- und Aromastoffe oder als Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten. Diese Inhaltsstoffe werden als »bioaktive Substanzen«, »sekundäre Pflanzenstoffe« oder »Phytochemikalien« bezeichnet. Neugierig auf diese Wirkstoffe wurde die Wissenschaft erst als bekannt wurde, dass eine Ernährung mit viel grünem Gemüse und Obst offensichtlich einen gewissen Schutz vor bestimmten Krebsarten bietet - ein Umstand, der sich auf Vitamine alleine nicht zurückführen liess.Gewürzpflanzen für die Arzneiherstellung
Manche Gewürzpflanzen bilden die Ausgangsbasis für sogenannte Phytopharmaka, wie der Fachbegriff für pflanzliche Medikamente lautet. Dabei werden aus den »Drogen«, wie die getrockneten Pflanzen oder Pflanzenteile genannt werden, Arzneien wie Dragees, Tinkturen oder Extrakte hergestellt. Solche Drogen haben natürlich nichts mit dem modernen Begriff für Rausch- und Suchtmittel zu tun. Bekannte Gewürzarzneien sind zum Beispiel Knoblauchpillen gegen überhöhte Blutfettwerte, Aniskapseln gegen krampfartigen Husten oder Kümmelölkapseln gegen Verdauungsbeschwerden.
So wirken die bioaktiven Substanzen
Zusammenspiel vieler Wirkstoffe
Wie die gesundheitsfördernde Wirkung der bioaktiven Substanzen genau zustande kommt, liess sich bisher noch nicht immer ausreichend klären. Denn in Gewürzen entfalten einzelne Pflanzeninhaltsstoffe ihre Wirkung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit zahlreichen anderen Bestandteilen. Und dieses komplexe Zusammenwirken wurde von der modernen Forschung noch nicht vollständig entschlüsselt. Jetzt hofft die pharmazeutische Forschung, aus sekundären Pflanzeninhaltsstoffen neuartige Medikamente gegen verbreitete Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Bluthochdruck oder Arteriosklerose entwickeln zu können.
Wie Gewürze auf die Seele wirken
Die Volksmedizin geht seit jeher davon aus, dass Gewürze positive Wirkungen auf Stimmung und Psyche haben können, was Sie in erster Linie beim Kochen nutzen können. Heute werden auch in der Aromatherapie Gewürze eingesetzt, um seelische Stimmungen auszugleichen. So kann etwa das ätherische Öl des Basilikums beruhigend wirken, Rosmarin hingegen anregend. Tatsächlich lassen sich die eingeatmeten Aromastoffe der ätherischen Öle nicht nur im Blut nachweisen, sondern es ist auch erwiesen, dass sie auf das Zentralnervensystem wirken und damit das »Gefühlsleben« oder die Tätigkeit mancher Drüsen beeinflussen können. Manchen Gewürzen werden in der Volksmedizin auch erotisch anregende oder potenzsteigernde Wirkungen nachgesagt. Wissenschaftlich belegt ist dies zwar nicht; allerdings kann ein gut gewürztes Essen ganz allgemein anregen, die Sinne beleben und die Lebensfreude steigern. Raffiniert abgeschmeckte Gerichte vermitteln Gaumen- und Sinneslust, Geruchs- und Geschmackserlebnisse. Vielleicht lässt sich auf diesem Wege auch die Erotik inspirieren?