Die Ursprünge des Gewürzhandels:
Wie selbstverständlich wird heute
zu Pfeffer, Zimt, Nelken, Kümmel oder Piment gegriffen, um Speisen Pfiff zu geben und sie bekömmlicher zu machen. Doch das war nicht immer so. Bis ins 15. Jahrhundert hinein kannte man in Europa häufig nur Salz zum Würzen von Speisen.![]() |
| Ein mächtiger
Terrakottatopf mit Basilikum auf einer der 206 Miniaturen aus dem "Hausbuch der Cerruti". |
Die Völker des Mittelmeeres handelten seit je mit Gewürzen. Zur Zeit
der alten Kulturvölker gab es noch keine exakte Trennung zwischen Nahrungs-, Medizin- und Opferpflanzen. Bereits dreitausend Jahre vor Christi Geburt verwendeten die Menschen Gewürze in ihren Speisen - dies belegen Ausgrabungen im Irak sowie Funde in Asien und China. Über die gesundheitliche Wirkung der Gewürze waren sich die Menschen damals schon bewusst, denn es ist überliefert, dass chinesische Würdenträger bei Hofe Gewürznelken kauten, um ihren Atem zu erfrischen.Die Phönizier waren es dann, die
etwa tausend Jahre vor Christus Handelszentren an verschiedenen Orten im Mittelmeerraum gründeten. Hier verkauften sie unter anderem Zimt und Nelken, die sie aus China und Indien importierten. Es entwickelte sich eine rege Handelsbeziehung zwischen Morgen- und Abendland, die durch die Eroberungen Alexanders des Grossen noch intensiviert wurden. Handelswege zu Wasser und zu Lande entstanden. Der Landweg - die Seidenstrasse - führte von China über Persien an die Mittelmeerküste. Der Seeweg verband Indien und die arabischen Länder. Neben Waren fanden auf diesen Wegen im Laufe der Zeit auch fremde Sitten und Gebräuche Verbreitung.
Bereits in den ersten Jahrhunderten
nach Christi Geburt kam Venedig eine Schlüsselposition im Gewürzhandel zu. Die venezianischen Kaufleute machten sich die günstige Lage der Lagunenstadt zunutze: Venedig wurde Umschlagplatz für Waren, die ihren Weg aus dem Osten über Griechenland nahmen und mit erheblichen Gewinnen nach West- und Mitteleuropa weiterverkauft wurden. Durch die Erweiterung der Seewege entwickelte sich auch Brügge zum bedeutenden Umschlagplatz für Waren, die nach Nordwesteuropa transportiert werden sollten. Bis ins 15. Jahrhundert hinein konnte Venedig seine Position im Welthandel ausbauen und behaupten.
Streit um wirtschaftliche Vormacht:
Als die Portugiesen sahen, welcher
Reichtum den Venezianern durch ihren Handel mit exotischen Waren zuteil wurde, versuchten sie, deren Monopol zu brechen. Mit der Entdeckung der Südspitze Afrikas war den Portugiesen ein wesentlicher Durchbruch im Welthandel geglückt, nun hiess es, diese Vormachtstellung zu halten. Das machte es nötig, den Seeweg nach Japan und China zu finden, diesen geheimnisvollen Ländern, von denen die Europäer seit den Reisen Marco Polos träumten.Der Portugiese Vasco da Gama
machte sich mit mehreren Schiffen auf die Suche danach, da er das grosse Geschäft für Portugal vermutete. Er hatte Erfolg, und schon von seiner zweiten Reise dorthin brachte er 5'000 Tonnen Pfeffer und 35'000 Zentner anderer Gewürze mit. Dadurch erzielten die Portugiesen beträchtliche Gewinne. Für die Venezianer und die Araber bedeuteten die portugiesischen Handelserfolge dramatische Umsatzeinbussen.![]() |
| Seekarte aus dem 16. Jh. n. Chr. |
Den Portugiesen und Spaniern
folgten die Engländer auf ihren Entdeckungsreisen in unbekannte Welten. So kämpferisch die Auseinandersetzungen auch waren, sie legten den Grundstein für die Vernetzung der internationalen Märkte und führten über die Jahrhunderte zu einem regen Austausch, der die Menschen in den Genuss exotischer Waren kommen liess.
Allen voran bemühten sich die
Holländer, den Portugiesen den ersten Rang als Handelsmacht streitig zu machen. Sie gründeten 1602 die Holländisch-Ostindische Kompanie. Bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Portugiesen gelang es den Holländern, die Macht auf den Molukkeninseln an sich zu bringen und damit das Monopol der Portugiesen zu brechen. Die Holländisch-Ostindische Kompanie bildete über zwei Jahrhunderte hinweg die wirtschaftliche Basis der Niederlande.![]() |
| Knoblauchernte Ende
des 14. Jh. (aus dem Hausbuch der Cerruti) |
Im Jahr 1600 wurde in England
die East India Company gegründet. Die britische Krone wollte keinesfalls die einträglichen Geschäfte im Osten anderen überlassen. Sie unterstützte draufgängerische Seefahrer, wie Francis Drake, James Lancaster und später James Cook, die den britischen Handelsgesellschaften ihren Anteil an der exotischen Beute sicherte.
Es gab zahlreiche blutige Auseinandersetzungen um das Monopol
im Gewürzhandel, denn wer es besass, konnte sich einen reichen Mann nennen. Erst mit dem systematischen Anbau in Gewürzplantagen wurden die begehrten Aromen aus den exotischen Ländern auch für eine breitere Schicht erschwinglich.![]() |
| Marco Polo prüft
den schwarzen Pfeffer bei der Ernte auf einer Plantage an der südindischen Malabarküste. (Miniatur, um 1410-1415) |
Dem Botaniker Pierre Poivre gelang
es im 18. Jahrhundert, einige der so gefragten Gewürzpflanzen auf den Inseln Réunion und Mauritius anzubauen. Ein wichtiger Schritt, die ständigen Streitigkeiten der Nationen um die Vorherrschaft im Gewürzhandel zu beenden. Der Jardin des Pamplemousses auf Mauritius war einer der ersten botanischen Gärten - und ein überaus vorbildlicher. Von hier aus gelangten exotische Pflanzen zu Züchtern an verschiedenen Standorten. Aber anfangs waren die Ergebnisse noch nicht zufriedenstellend, denn die Pflanzer hatten wenig Erfahrung mit den fremden Gewächsen. Sie wussten praktisch nichts über deren Ansprüche an Klima, Lage und Boden. Und häufig waren sie auch ungeduldig, weil sie nicht wussten, dass Gewürzbäume viel Zeit brauchen, bis sie überhaupt Früchte tragen - oft mehrere Jahre.Der florierende Gewürzhandel führte
dazu, dass viele Scharlatane ihr Unwesen trieben. Sie verlängerten Gewürze mit Schiesspulver, um das Gewicht zu erhöhen, oder vermischten minderwertige Ware mit Duftstoffen. Und einzelne Händler nutzten diesen Zustand aus, indem sie dem verunsicherten Verbraucher zwar hochwertige Ware anboten, allerdings astronomische Preise dafür verlangten.
Gewürze waren schon immer Gegenstand der Literatur oder schriftlicher
Überlieferungen. Erste Hinweise auf die Verwendung von Gewürzen finden sich auf Tafeln, die man bei Ausgrabungen in Uruk, der Hauptstadt Babyloniens, gefunden hat. Ähnlich alt ist eine chinesische Abhandlung, in der erstmals Zimt erwähnt wird. Auch das alte Testament enthält zahlreiche Andeutungen über den Gebrauch von Gewürzen. Beim Bau der Bundeslade wurden duftende Gewürzmaterialien als Räucheropfer verbrannt, und im Hohelied finden sich unzählige Verweise auf wohlriechende Gewürze.![]() |
| Seefahrer waren die
Helden ihrer Zeit: Umgeben von Seegöttern und Fabelwesen fährt der Seefahrer in die Welten des Ozeans (kolorierter Stich von 1594) |
Aus dem Rolandslied, dem französischen Heldengedicht des Mittelalters, erfährt man, dass die Toten
der Schlacht vor ihrer Bestattung mit Pfeffer und Wein gewaschen werden. Und wer kennt sie nicht - die bezaubernden Erzählungen der Scheherazade aus Tausendundeiner Nacht, die neben Märchen und Liebesgeschichten auch die Erlebnisse der Kaufleute auf ihren Handelsreisen schildern. Nicht wegzudenken natürlich die voller Abenteuer steckenden Reiseberichte des Marco Polo. Die in schillernden Farben beschriebenen und exotisch anmutenden Länder erweckten bei seinen europäischen Zeitgenossen grosse Sehnsucht. Weniger bunt, jedoch nicht minder interessant sind viele botanische Abhandlungen über Gewürze, die im Laufe der Geschichte entstanden.
In den Anfängen des Gewürzhandels
waren Gewürze so teuer, dass nicht jedermann in ihren Genuss kommen konnte. Welche Bedeutung sie hatten, beweisen historische Berichte. Kaiser Konstantin zum Beispiel machte dem Papst als Zeichen seiner Wertschätzung neben Gold und Silber auch Gewürze zum Geschenk. Da Gewürze so begehrt waren, was lag da näher, als sie mit hohen Steuern zu belegen - eine beträchtliche Einnahmequelle für die Städte. Vor allem der Pfefferpreis soll hervorgehoben werden, den nur bezahlen konnte, wer betucht war oder eben ein »Pfeffersack«, so das Schimpfwort aus den Anfängen des Gewürzhandels.