Gewürze gehören ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie sollen
Speisen geschmacklich abrunden oder ihnen eine individuelle Geschmacksnote verleihen - jedoch in Massen. Für den Gaumen ist ein Gericht schnell von einem bestimmten Gewürz dominiert und damit ungeniessbar. Das war nicht immer so. Als die Gewürze neu und geheimnisvoll waren, liebte man den intensiven Geschmack, ein Symbol für Wohlstand und Exotik.![]() |
| Die Dosierung von Gewürzen ist reine Geschmackssache. |
Eine Frage des Geschmacks
Es ist kein Privileg unserer Zeit,
über eine Vielzahl an exotischen Gewürzen zu verfügen. Die Menschen im Mittelalter verbrauchten etwa hundertmal soviel Gewürze wie wir heute. Zwar waren sie zur damaligen Zeit schwer zu beschaffen und deshalb teuer. Doch was man so teuer bezahlte, sollte man auch schmecken, deshalb der grosszügige Umgang damit - wenn man es sich leisten konnte. Ob damit unliebsame Geschmacksnuancen von leicht verdorbenen Zutaten übertönt werden sollten, ist Spekulation.Zumindest stammt die Vorliebe für
Gewürze aus einer Zeit lange vor der Entdeckung wirksamer Mittel zur Haltbarmachung. Eine angenehme Begleiterscheinung des verschwenderischen Gewürzverbrauches war, dass die meist sehr üppigen Speisen bekömmlicher wurden. Ausserdem lebten die Menschen äusserst gesundheitsbewusst in jener Zeit, allerlei Diäten, Allheilmittel und Drogenwaren im Umlauf. Vielleicht sahen sie in faszinierenden Gewürzen ein Heilmittel gegen die Übel der Welt. Safran, Kardamom und Myrrhe wurden bei empfindlichem Magen verordnet und Gewürznelken sollten vor der Pest schützen. Viele Gewürze, allen voran Safran und Pfeffer galten als Aphrodisiaka.Ein weiterer Grund für den hohen
Verbrauch mag in der Gewöhnung liegen. Wer von klein auf ausschliesslich stark gewürzte Speisen isst, wird jedes wenig oder gar nicht gewürzte Gericht geschmacklos finden. Auf jeden Fall war die Verwendung von Gewürzen Prestigesache. Nicht jeder konnte sich die exotischen Würzmittel leisten. Als nach der Entdeckung der Gewürzstrasse gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Preis für die kostspieligen Gewürze stark sank, war das fast völlige Verschwinden der Nachfrage nach Pfeffer, Muskat, Zimt und Nelken die Folge.